Etappe 2: M. d. l. Tierras – San Bartolomé

Etappe 2: M. d. l. Tierras – San Bartolomé

  • Ausgangspunkt: Montana de las Tierras
  • Endpunkt: San Bartolomé
  • Strecke: 17,2 km
  • Aufstieg: 1.183 m
  • Abstieg: 1.187 m
  • Dauer: 6:30h


Auf du und du mit dem Risco Blanco

Am nächsten Morgen versorge ich mich mit Kaffee in meinem Apartment und verschiebe mein Frühstück auf die erste Pause. Ich lege um 8:30 mit meiner Wanderung los, da sie mit etwa sechs bis sieben Stunden reine Gehzeit die längste Etappe der Tour ist. Es ist totenstill im Ort, als ich meinen Weg einschlage. Wie eine wundersame Wandelung, schließlich tobte bei meiner Ankunft noch der laute Tagestourismus im Ort. Umso schöner ist mein Abschied von Montana de las Tierras. Der Blick in südlicher Richtung nach Agüimes ist fantastisch, Hochnebel hängt zwischen den Bergen. Grandios! Aber ich bin dennoch froh, dass mich im Norden strahlend blauer Himmel erwartet.

Schlucht in Gran Canaria auf dem weg nach San Bartolomé
Blick zurück in den Barranco de Guayadeque

Ich gehe den einzig möglichen Weg in Richtung Nordosten des Barranco (Schlucht) de Guayadeque. Es ist ein alter Camino. Sonnige und schattige Passagen wechseln sich ab und ich genieße die heute völlig unbesiedelte Landschaft. Ein Hase springt davon, ein Huhn läuft auf dem Weg vor mir und Vogelgezwitscher ertönt. Es ist traumhaft und weit und breit keine Menschenseele! Nach etwa 2 Stunden erreiche ich eine Siedlung, die ich rasch passiere und weiter bergan gehe. Nach einer weiteren halbe Stunde – der kontinuierliche Aufstieg zollt langsam seinen Tribut – lege ich eine Pause ein. Ich sitze am Hang und blicke auf den Krater des ehemaligen Vulkans Caldera de los Marteles – und genieße die Sonne, während ich auf den wolkenverhangen Norden blicke.

Ich verlasse nun den Barranco de Guayadeque und wende mich nach Westen in Richtung Caldera (Kessel) de Tirajana. Nachdem ich meine Blasen versorgt habe, geht es etwa eine Stunde durch den lichten Kiefernhain, der keiner mehr ist. Ein Waldbrand hat hier alles niedergebrannt. Aber eine Stunde ist ein Segen, auf Korcula (Kroatien) bin ich einmal einen halben Tag lang durch ein Waldbrandgebiet gelaufen – das war furchtbar trostlos. Leider hat der Brand meinen Weg (zweiter Abzweig in Mesa de las Vacas) zerstört – oder der Weg war nie da. Also schlage ich mich einige Meter quer durch das Waldbrandgebiet bergab. Nicht nur, dass ich dank gps schnell meinen Weg wieder finde, nein, ich werde mit einer famosen Aussicht auf den Caldera (Kessel) de Tirajana und meinen Zielort San Bartolome belohnt! Es scheint ewig weit entfernt, vielleicht ein, zwei Tagesmärsche?

Auf dem Berg
Oberhalb des Risco Blanco blickte ich auf mein Ziel dieser Etappe San Bartolomé

Also gönne ich mir nur eine kurze Verschnaufpause und mache mich dann an den Abstieg, der müsste doch in einer halben Stunde zu machen sein, oder? Ja, wenn es einen Weg gäbe, den man schnell abwärts laufen könnte. Also, wenn es überhaupt einen Weg gäbe. Die Orientierung fällt schwer und der Abstieg ist waghalsig. Übertreibung? Nein! Gehen Sie diesen Weg nicht allein. Er ist ausgesetzt und gleicht eher einem Klettersteig. Am Anfang verliere ich ihn oft, kann ihn nur mühsam dank gps zurückfinden. Nach einer Viertelstunde habe ich verstanden wie es geht: nur Steinmännchen weisen den Weg über steile Steinplatten. Dann geht es schnell, mich nur noch daran zu orientieren. Ich muss allerdings alles einsetzen was ich habe, um bergab zu kommen: Arme, Beine, Po und Körpergewicht. Ich krieche durch eine Höhle – wirklich! -, klammere mich an Felsen und rutsche teilweise auf dem Po die Klippen hinab. Aber zumindest sieht man meiner Kleidung das Abenteuer auch an. Ich vermeide es, auf die Uhr zu schauen, um mir keinen unnötigen Stress zu machen. Den Abstieg schaffe ich schließlich ich 1,5 Stunden. Ich bin völlig fertig und San Bartolomé liegt noch soooo weit weg. Aber zumindest hat das Adrenalin bewirkt, dass ich meine schmerzenden Blasen nicht mehr spüre, auch gut. Der Blick zurück zeigt übrigens welchen Felsen ich da heruntergerutscht bin, den Risco Blanco. Übersetzt heißt das: weißes Risiko. Na danke schön, hätte ich ja auch eher drauf kommen können.

Wanderweg vom Risco Blanco
Der Weg vom Risco Blanco war ein echtes Abenteuer

Ich gehe, nach fünf Minuten Pause erstaunlich regeneriert, etwa 25 Minuten durch La Culata, ehe ich einem alten Camino in Richtung San Bartolomé, dass noch hinter einem kleinen Bergrücken liegt, folge. Sechs Kreuze zeigen schließlich an, dass ich auch diesen vorletzten Anstieg geschafft habe. Nach ein paar Minuten werde ich mit einem traumhaften Blick auf San Bartolomé belohnt. Ich sehe am Stand der Sonne, dass es im Bergdorf schattig sein wird, wenn ich ankomme. Also entscheide ich mich für eine längere Pause und genieße den Blick. Unterwegs hatte ich mich mit drei frisch vom Baum gepflückten Organgen versorgt Und jetzt war genau der richtige Zeitpunkt, sie zu essen. Lecker! Noch oberhalb vom Ort liegt mein Hotel und ich bereite mich schmatzend auf meinen letzten Anstieg vor. Nach etwa einer halben Stunde habe ich dann San Bartolomé erreicht.

Bergdorf San Bartolomé
Blick auf San Bartolomé kurz vor Erreichen des Ziels

Variante: Wer nicht schwindelfrei oder gut orientiert ist oder einfach keine Lust auf Risco Blanco hat, sollte diesen Weg auf keinen Fall gehen. Er folgt ab dem Vulkankrater einfach den Beschilderungen nach St. Lucia und biegt dann nach San Bartolome ab. Das mögen ein paar Kilometer mehr sein, aber die Nerven werden es Ihnen danken.


Download: Etappe 2 von Montana de las Tierras nach San Bartolomé

 

Übernachtung in San Bartolomé

Übrigens ist San Bartolomé ein wirklich schönes Bergdörfchen mit einigen Restaurants, Supermarkt und Bars. Ich werde an diesem Abend aber nicht mehr hinabsteigen. Ich wohne – nicht ganz freiwillig – im Hotel Las Tirajanas. Es ist die einzige Unterkunft, die ich zum Zeitpunkt meiner Reise überhaupt in San Bartolomé finden konnte. Ein vier Sterne Hotel, in dem ich mich als einfacher Wanderer nicht besonders wohlfühle. Und wenn ich ehrlich bin, hat es die vier Sterne auch nicht verdient. Es hat zwar eine wirklich traumhafte Lage und auch das Essen ist gut. Aber mein Bad ist in die Jahre gekommen und das Hotel ist extrem hellhörig. Ich habe später eine Unterkunft für 40€, die mindestens genauso fantastisch liegt und toll eingerichtet ist. Jedoch ohne Frühstück, dafür um fast 100€ günstiger… . Aber an diesem Abend ist mir fast alles egal, ich träume vom Risco Blanco.

Hier geht es zur Website von Hotel Las Tirajanas

 

 

Zur dritten Etappe

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