Winterwandern: Ratgeber für sichere Touren im Mittelgebirge
Wie gelingt eine gute Winterwanderung? Wie bleibt’s sicher – und macht trotzdem richtig Spaß? Die Antwort: Es kommt darauf an. Vor allem auf Tourenwahl, Wettercheck und Ausrüstung. Dieser Ratgeber bündelt meine langjährige Winterwander-Erfahrung – inklusive Tipps fürs Wandern mit Hund.
Im Prinzip gibt es nur zwei Möglichkeiten einen Wintertag sinnvoll zu nutzen. Entweder mit einem Buch vor dem Kamin, einem heißen Tee in der Hand und schöne Musik im Hintergrund. Oder – Option zwei wird die Leser:innen dieses Blogs wohl wenig überraschen – man macht sich zu einer schönen Wanderung im nächstgelegenen Mittelgebirge auf. Ach, und dann gibt es noch eine dritte Option: Man sitzt vor dem Kamin, trinkt einen Tee, macht schöne Musik an und schreibt übers Winterwandern, das ist auch gut.
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Herausgekommen ist dieser Ratgeber übers Winterwandern, der zeigt, wie man diese schöne Jahreszeit sicher und genussvoll erleben kann. Worauf kommt es bei Planung und Wettercheck wirklich an? Welche Ausrüstung muss mit? Wie vermeidet man typische Winterfallen? Wie gelingt die Tour auch mit Hund? Ob kurze Runde im verschneiten Wald oder ausgiebiges Unterfangen auf einen Berg: Mit ein bisschen Wissen, dem passenden Material und einem guten Gefühl für die Bedingungen wird aus „kalt und rutschig“ schnell „unvergesslich“.
Inhalt
- Die richtige Tourenwahl im Winter
- Praktische Tipps zum Winterwandern
- Ausrüstung zum Winterwandern
- Winterliche Gefahren im Mittelgebirge
- Wandern im Winter mit Hund
Die richtige Tourenwahl im Winter
Wenn frischer Schnee unter den Wanderschuhen knirscht, Bäume weiß gezuckert sind und einem die kalte, klare Luft um die Nase weht, weiß man, dass der winterliche Ausflug definitiv die richtige Wahl war. Allerdings stellt man mitunter schnell fest, dass man auf Wegen, die man im Sommer scheinbar mühelos beschreitet, nur schwerlich vorankommt, vor allem wenn es frisch geschneit hat. Im Winter gelten andere Regeln. Kälte, frühe Dunkelheit und wechselnde Bedingungen sind Herausforderung und Reiz zugleich.
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Bei der Wahl der richtigen Tour kann man sich in den klassischen Wanderführern bedienen, besser sind aber spezielle Winterwanderführer, da sie die winterlichen Bedingungen berücksichtigen. Wer beispielsweise aus Tourenportalen oder anderen Quellen normale Wanderrouten aussucht, sollte die jeweils angegebenen Hinweise und Schwierigkeitsbewertungen immer mit Bedacht interpretieren. So kann der breite Forstweg bei 30 Zentimeter Neuschnee zur Tortour werden, sofern dieser noch nicht geräumt ist. Ein kleiner Pfad kann bei diesen Bedingungen gar ganz verschwinden oder auch schon mal die doppelte Gehzeit erfordern. Zudem können Wegverläufe im Winter, von denen in den Karten und auch von GPS-Tracks etwas abweichen, wenn beispielsweise der erste Wanderer nach hohen Neuschneemengen den Weg nicht exakt spurt.
Daher ist ein umsichtiger Umgang mit den Beschreibungen und Anforderungen sowie ein ausgiebiges Studium des Wetters wichtige Voraussetzung vor der Tourenplanung. Wer auf Nummer sicher gehen will, sucht sich einen ausgewiesenen Winterwanderweg aus, die oft auf den Websites der Tourismusverbände zu finden sind.
Praktische Tipps zum Winterwandern
Damit die Winterwanderung sicher und entspannt verläuft, sollte man im Vergleich zum Sommer sich an diese 10 Tipps halten:
- Die richtige Ausrüstung sorgt für Spaß, auch bei widrigen Bedingungen wie Eisglätte.
- Immer nur so warm anziehen, dass man gerade nicht friert. Wer erst einmal nass geschwitzt ist, dem ist auch schneller kalt.
- Pausentee: Grundsätzlich bei längeren Touren einen warmen Tee (oder nur warmes Wasser) in einer Thermoskanne mitführen. Kaltes Wasser ist mit zunehmender Dauer kaum mehr trinkbar.
- Akkus mögen keine Kälte: Wer auf das Handy zwecks Navigation, für Bilder o.ä. angewiesen ist, sollte eine Powerbank mitführen. Handyakkus entladen sich bei Kälte mitunter rasant. Praxistipp: Handy am Körper tragen. Ich trage es für die schnelle Handhabung meist im Handschuh.
- Defensiv planen: Bei der Zeitplanung großzügig Zeitpuffer einplanen, die Orientierung kann schwierig sein oder Schnee die Fortbewegung mühsam machen.
- Kurze Tage: Im Dezember als kürzester Monat bleiben 8 Stunden Tageslicht – bei langen Touren sollte das Zeitfenster voll ausgenutzt werden. Zur Sicherheit: Stirnlampe mitführen.
- Lieber viele kurze, statt einer langen Pause, das schützt vor Auskühlung.
- Trinken nicht vergessen! Das Durstgefühl ist bei Kälte oft weniger stark ausgeprägt.
- Immer den Willen zum Umkehren im Rucksack dabeihaben, wenn beispielsweise die Schneebedingungen ein Weitergehen erschweren oder die Wanderung konditionell zu beschwerlich machen.
- Spaß haben: Schlitten mitnehmen, Schneeballschlacht oder einen Schneeengel machen – egal was, hab Spaß!
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Schneelage beurteilen: Da Schnee in den deutschen Mittelgebirgen nicht garantiert ist, kann man sich einiger Hilfsmittel bedienen, um festzustellen, ob Niederschläge als Schnee fallen. Orientierung bieten Tourismusverbände. Darüber hinaus gibt es in vielen Mittelgebirgen Webcams, mit denen man live die aktuelle Schneesituation gut beurteilen kann.
Ausrüstung zum Winterwandern
Fürs Winterwandern braucht es meist keine Spezialausrüstung – aber ein paar Dinge sind echte Gamechanger: Spikes/Grödel, Stirnlampe, warme Schichten und ein heißes Getränk.
Leichtgrödel oder Spikes: Unter Grödeln versteht man die leichte Form eines Steigeisens, die direkt unter den Schuh geschnallt werden, beispielsweise mit einem Gummi. Sie haben kleine Zacken, die für einen guten Grip auch auf vereisten Wegabschnitten sorgen. Ähnlich funktionieren Spikes. Sie sind einfach in der Handhabung, lassen sich schnell und einfach anlegen und sind nicht sehr teuer. Sie gehören immer in den Rucksack.
Wanderschuhe: Ein passender Wanderschuh, der etwas Halt gibt und eine griffige Sohle hat, reicht zum Winterwandern. Ich bevorzuge auch im Winter einen leichten Schuh. Allerdings hängt dies auch vom individuellen Kälteempfinden ab. Wer etwas empfindlicher ist, sollte vielleicht einen festen Lederschuh bevorzugen. Speziell gefütterte Wanderschuhe werden die Meisten nur bei langen Pausen benötigen, sie sind in der Regel nicht notwendig.
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Gamaschen: Bei Schneehöhen über 20 Zentimeter sind Gamaschen eine Erleichterung. Als zusätzliche Abdeckung zwischen Schuh und Wade verhindern sie das Eindringen des Schnees von oben in die Schuhe. Sie werden unter dem Schuh befestigt, damit sie sich bei hohen Schneemengen nicht nach oben ziehen.
Schneeschuhe: Nur in den seltenen Fällen von Neuschneemengen über 20 -30 Zentimeter lohnt sich das Anlegen von Schneeschuhen, die die Auflagefläche des Fußes vergrößern und so ein Einsinken in den Schnee verhindern.
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Bekleidung: Wie auch im Sommer gilt beim Winterwandern am besten das Zwiebelprinzip, also eine Bekleidung in verschiedenen Schichten, die sich je nach Aktivität und Temperaturen an- und ablegen lassen. Grundsätzlich empfiehlt sich immer Funktionskleidung, die in der Lage ist, Feuchtigkeit vom Körper wegzutransportieren. Dabei gilt, rechtzeitig anzupassen, damit man nicht zu stark schwitzt. Bewährt haben sich: Eine Thermounterwäsche/Leggings unter Wanderhose oder Wanderrock. Als Oberbekleidung wählt man am besten ein Unterhemd, ein langes Shirt, einen dicken Merino-Pullover oder das 1. Fleece sowie eine Softshell-Jacke oder ein 2. Fleece kombiniert mit einer Weste. Mütze, Schal und Handschuhe nicht vergessen. Zum Schutz gegen Wind oder auch Regen sollte zur Sicherheit auch eine Hardshelljacke mitgenommen werden. Wer lange Pausen draußen plant, sollte ggfls. auch eine Daunenjacke mitführen.
Wanderstöcke: Wer keine Grödel/Spikes dabeihat, sollte im Winter an Wanderstöcke denken. Schneeteller an den Spitzen verhindern zu tiefes Einsacken bei hohen Schneemengen. Stöcke tragen generell zu gelenkschonenden Abstiegen bei und geben auch bei Schnee und Glätte Halt.
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Rucksack: In der Regel sollten Wanderrucksäcke bis etwa 26 Liter für eine längere Tagestour ausreichen, um nicht benötigte Kleidung und Ausrüstung sowie ein warmes Getränk und eine Brotzeit mitzunehmen. Auch ein 1. Hilfe-Set und ein Sonnenschutz gehören hinein.
Licht: Eine Stirnlampe kann – sollte man sich eben doch überschätzt haben – bei früheinsetzender Dunkelheit wahre Dienste erweisen.
Für die Pause: Isolierende Sitzunterlage, damit man auch auf verschneiten Bänken ein warmes Plätzchen findet.
Winterliche Gefahren im Mittelgebirge
Winterwandern birgt natürlich auch gewisse Gefahren. Wer am späten Nachmittag bei Minusgraden unterwegs ist und schwer stürzt, schwebt immer in Lebensgefahr. Zumal die Temperaturen in der Nacht schnell weiter fallen. Daher sollte man nicht allein unterwegs sein. Die Lawinengefahr ist in Mittelgebirgen eher gering. Damit Lawinen entstehen, müssen bestimmte Faktoren zusammenkommen: Hangneigung über 25 Grad, Neuschneezuwachs und Hangexpositionen beispielsweise. In den Mittelgebirgen kommen diese Faktoren nur sehr selten zusammen, so dass die Lawinengefahr als ausgesprochen gering eingeschätzt werden kann.
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Eine weitere, insbesondere bei starkem Wind und Sturm nicht zu unterschätzende, Gefahr ist Schneebruch. Vor allem Borkenkäfer-geschädigte Bäume – aber nicht nur – brechen unter der Last von Schnee und Sturm schnell. Es besteht Lebensgefahr, da Äste herunterfallen oder geschädigte Bäume entwurzelt werden. Während des Sturmes und auch einige Tage danach auf Waldbesuche daher besser verzichten. Zudem Wetterberichte und auch die Wegsperrungen unbedingt beachten. Auch der Besuch eines exponierten Gipfels bei Sturm (vor allem mit orkanartigen Böen) sollte unbedingt unterlassen werden. Sonst landet man schnell als davonfliegende Gestalt am Abend in den Nachrichten.
Wandern im Winter mit Hund
Das Wandern mit Hund ist eigentlich immer eine wahre Freude. Besondere Anforderungen an den Hund gibt es in den Mittelgebirgen nur selten, denn die vierbeinigen Freunde haben im Winter zumeist sogar eine bessere „Serienausstattung“ als Herrchen und Frauchen und mit ihren Krallen und Pfoten meist einen sehr viel besseren Halt auf rutschigem Untergrund. Dennoch kann manchmal bei ausgesetzten Passagen mit hohen Stufen das Tragen eines guten Geschirres erforderlich sein. Mit diesem können Hunde bei solchen Abschnitten gesichert werden. Bei sehr hohen Neuschneemengen und ungespurten Wegen, kann eine Tour mit dem Hund auch mal nicht möglich sein, da er viel zu tief in den Schnee einsackt. Bei nur wenigen Metern beispielsweise bei Schneeverwehungen hilft ebenfalls ein Geschirr mit Tragegriff über die weißen Massen hinweg. Ist der Schnee jedoch bereits verharscht, wird die Schneedecke den Hund mit seinem geringen Gewicht auf vier Pfoten viel eher tragen als uns.
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Einige Hunde neigen bei bestimmten Schneeverhältnissen dazu, dass sich Schnee im Fell und unter den Pfoten aufstollt. Dicke Eisbälle bilden sich dann an empfindlichen Pfoten – und zuweilen auch am Rest des Körpers. Zwei Dinge schaffen Abhilfe: Eine dicke Schicht Vaseline unter den Pfoten verhindert zumindest kurzzeitig das Aufstollen. Alternativ gibt es sogenannten Pfotenschutz (Booties), der wie eine Socke über die Pfoten gezogen wird und vor den schmerzhaften Eisklumpen schützt. Je nach Kälteempfinden und Alter des Hundes bietet sich eine Softshelljacke als Wärmeschutz an, denn unsere i.d.R. im Haus lebenden Hunde, sind heute deutlich kälteempfindlicher.
Freilauf: Gerade im Winter sollten nur ausgesprochen gut erzogene Hunde freilaufen, die auf den Wegen bleiben. Jedes Aufschrecken des Wildes bedeutet für Reh & Co. einen immensen Kraftakt.
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Ganz sicher aber wird unserem Hund eine winterliche Wanderung unfassbar viel Freude machen – zumindest weiß ich das ganz sicher über Greta. Ich brauche dann nur noch einen Schluck Tee und die Entscheidung, genau jetzt einfach draußen zu sein, wird zu besten des Tages.

