Moselsteig

Moselsteig

Fernwandern nach moselanischer Art*

Im Gegenlicht der Sonne zeigt sich der Moselsteig in seinem besten Kleid. Zwischen gelb gefärbten Reben stehend blicke ich auf eine der vielen Schleifen, die sich die Mosel durch Schiefer und Fels gebahnt hat. Währenddessen trocknen zarte Sonnenstrahlen den Schweiß des letzten Anstiegs auf meiner Stirn. Mit dem Geschmack von Riesling auf der Zunge wandert sich der Moselsteig nämlich gar nicht so beschwingt wie man vermutet. An Höhenmetern mangelt es dem 365 Kilometer langem Fernwanderweg nämlich nicht.

An Abwechslung übrigens auch nicht: Während mich meine Wanderschuhe eben noch durch einen märchenhaft nebligen Herbstwald führten, labe ich mich nun im Sonnenschein an dicken, süßen Trauben, die noch vereinzelt an knorrigen Weinstöcken hängen und blicke dabei erhaben hinab ins Moseltal – das ist mein persönliches Moselsteig-Feeling.

Tau hängt an Hagebutten an der Mosel
Neblige Waldlandschaft auf dem Moselsteig, Tau hängt zäh an der Wintermahlzeit der Tierwelt

Meine Eindrücke sammelte ich an einem Wochenende auf dem Moselsteig. Dabei erwanderte ich die offizielle Etappe 22 von Löf nach Kobern-Gondorf sowie Großteile der offiziellen Etappe 19 von Treis-Karden nach Cochem.


Tag 1: Wo man Wandern, Wein und Wohlgefühl verbindet

Ein frischer Wind weht mir um die Nase, während ich am Samstag von Treis-Karden die ersten Schritte auf der Etappe 19 des Moselsteigs mache. Meine wärmende Mütze ziehe ich etwas tiefer ins Gesicht, als ich nach den ersten Höhenmetern eine kurze Pause einlege und hinab ins Moseltal schaue. Von Weitsicht keine Spur, denn dichter Nebel hängt tief über Karden, dessen romanische Stiftskirche St. Castor es noch eben so in mein Blickfeld schafft, bevor der Nebel alles verschluckt.

Blick auf die Mosel
Etappe 19 auf dem Moselsteig mit Blick zurück zum Startpunkt

Ich steige auf schmalen Waldwegen durch den purpur gefärbten Laubwald weiter nach oben, Herbstlaub raschelt unter meinen Wanderschuhen. Die Luft ist frisch und klar. Aus dem Nebel, der dick durch die Äste wabert, taucht später etwas gruselig anmutend ein hölzerner Mönch auf. Wer genau hinschaut, sieht ihn trotz mahnender Körperhaltung lächeln. Von hier aus soll der Blick hinab zur Mosel fantastisch sein, er bleibt mir jedoch an diesem herbstlichen Tag versagt.

Auf dem Weg zum Martberg
Plötzlich taucht aus dem Nebel ein hölzerner Mönch auf

Noch kurz geht es auf schmalen Waldwegen weiter, ehe sich der Wanderweg auf freier Flur fortsetzt. Dann kommt der Martberg in Sicht, ein archäologisches Highlight für alle, die auf den Spuren von Kelten und Römern wandeln wollen. Von hier aus führt der Moselsteig durch die Weinberge hinab nach Pommern. Während ich durch die ersten steilen Weinterrassen schreite, hat die herbstliche Sonne das Ringen mit dem Nebel gewonnen. Endlich offenbaren sich Weitsichten auf Moselschleifen vor bunten Weinreben.

Herbstliche Weinreben an der Mosel
Wein und Wandern lässt sich auf dem Moselsteig wunderbar verbinden

Mit etwas Glück findet der Wanderer an den Weinstöcken der hoch dekorierten Weingüter dieser Region im Herbst noch eine süße Traube. Ich halte mich an die Regel, dass in den Mund wandern darf, was in eine Hand passt. Es wäre ja auch schade, wenn aus den süßen Trauben kein Mosel-Riesling mehr würde. Dieser wiederum wird in Pommern gern zur Probe und zum Kauf angeboten. Aber Vorsicht: Schnell schwirrt der Kopf vor all dem Fachwissen, das leidenschaftliche Winzer ihren Gästen bei der Weinprobe zu vermitteln versuchen.

Weiter führt mich der Moselsteig wieder durch den Wald nach Kail, wo an diesem Tag meine Wanderung endet.

Weinberge am Moselsteig
Lecker!

Kulinarische Tipps auf Etappe 19 auf dem Moselsteig

→ Wer Wein mag: Weingut Leo Fuchs in Pommern mit prämierten Weißweinen
→ Wer Essen mag: Hotel & Restaurant Onkel Otto mit leckeren Spezialitäten in Pommern
→ Wer Whiskey mag: Brennerrei Hubertus Vallendar in Kail


Tag 2: Kurz, knackig und mit Kultur

Eine mit knapp 14 Kilometern recht kurze Etappe 22 auf dem Moselsteig wartet am Sonntag auf mich. Es geht hinüber zur anderen Seite der Mosel, das erste Zwischenziel – die Burg Thurant, die hoch über mir thront – fest im Blick. Zwischen terrassierten Schiefer-Steilhängen mache ich gleich ein paar steile Höhenmeter – etwas was sich im Laufe der Wanderung mehr als einmal wiederholen wird. Mit Erreichen der Burg, die übrigens 1209 das erste Mal urkundlich erwähnt wurde, geht es sogleich wieder ein Stück hinab.

Moselsteig Aussicht
Blick auf Oberfell im Vordergrund und Löv

Auf dem Kreuzweg wandere ich nach dem Abstieg direkt wieder hinauf zum Bleidenberg mit seiner Dreifaltigkeitskirche. Vom steilen Kreuzweg rahmen herbstlich-rot gefäbrte Laubblätter den Blick zurück zur Burg Thurant ein. Das entschädigt für den steilen Weg, der Trittsicherheit und eine gute Portion Ausdauer erfordert. Aber noch sind die 550 Höhenmeter an diesem Tag nicht geschafft.

Herbstlicher Blick auf Burg Thurant
Alles andere als grau: Herbst auf Etape 22 auf dem Moselsteig

Denn der Wanderweg führt bergab nach Oberfell, nur um direkt auf der anderen Seite des Ortes wieder hinauf zum Schildberg sehr steil anzusteigen. Der Moselsteig ist hier ganz sicher weder langweilig noch flach. Doch viel schwerer als auf dieser 22. Etappe wird es auf den 365 Kilometern des Fernwanderweges nicht. Wer sich nicht nur auf den steilen Weg konzentriert, sieht hier einmal mehr an den alten Weinbergmauern, dass der Moselsteig entlang alter Kulturlandschaften führt. Anschließend geht es zunächst höhehaltend, später absteigend nach Kobern-Gondorf.


Der Moselsteig im Überblick

Beginnend im Dreiländereck über Trier nach Koblenz verläuft der Moselsteig direkt entlang der Mosel auf schmalen Weinbergspfaden und federnden Waldböden. Der Prädikatswanderweg bietet neben Natur- und Wandererlebnissen auch kulinarische Genüsse, historische Highlights wie Burgen und Schlösser und beeindruckende Kulturlandschaften.

  • Länge: 365 km, von Perl nach Koblenz
  • Etappen: 24 offzielle Etappen zwischen 6,4 und 24 km – die Sportlichen schaffen den Weg in 14 Etappen
  • Höhenmeter: etwa 11.800 im Aufstieg, 11.900 im Abstieg
  • Höchster Punkt: Mehringer Berg (416 m)
  • Schwierigkeit: mittel
  • Hundetauglichkeit: gut
  • Übernachtungen: Hotels und Pensionen, mittleres Preisniveau
  • Varianten: problemlos möglich

1×1 der Moselwanderwege

Ja, der gemeine Moselaner hat eine erfrischende Art, seine Wanderwege zu betiteln. Damit da nichts durcheinander kommt, habe ich für euch die Erklärungen zu den märchenhaften Wortfindungen zusammengestellt:

Prädikatswanderweg: Der Name steht für qualitativ hochwertige Wanderwege, augezeichnet vom Deutschen Wanderverband. Wanderer dürfen gute Markierungen, regelmäßige Pflege und eine durchdachte Streckenplanung erwarten. Der Moselsteig gehört dazu. 

Traumpfade: 26 Pfade, die zum Träumen anregen sollen, gibt es in der Region Rhein-Mosel-Eifel. Fünf von den Rundwegen, die eine Länge zwischen 6,6  und 18,6 Kilometer haben und an einem Tag gewandert werden können, überschneiden sich mit dem Moselsteig. Daher treffen Wanderer des Moselsteigs immer wieder auf die orange Markierung.

Traumpfädchen: Was nach der kleinen Schwester der Traumpfade klingt, ist auch so. Die Traumpfädchen sind zehn Spazierwanderwege in einer Länge von 3 bis 7 Kilometer und nicht mehr als eben ein Spaziergang durch die Rhein-Mosel-Eifel-Landschaft. Zwei von den blau markierten Wegen, in Hatzenport und bei Winningen, liegen direkt am Moselsteig und können als Varianten eingebaut werden.

Mosel Beschilderung
Beschilderung der verschiedenen Wege, die Kurz-, Tages- und Mehrtagestouren an der Mosel markieren

Wünschelrouten: Die Wege klingen nach Rumpelstilzchen, das munter um ein Feuer tanzt. Die Gefahr des Tanzens besteht auch bei diesen geführten Herbst-Wandertouren, die sich Anfang November rund um Wein und Kulinarik drehen – mit Sicherheit geht’s spätestens nach dem Einkehren mit Weinprobe lockerer zu.

Seitensprung: 16 Mal haben Wanderer an der Mosel Gelegenheit zu ebendiesem verlockend klingendem Abenteuer. Wer mit Partner unterwegs ist, wird sich auf die Wander-Seitensprünge beschränken müssen. Sie garantieren Wanderungen durch die Weinberge hinauf auf die Höhenlagen Eifel und Hunsrück. Schöne Weinorte, Burgen und Sehenswürdigkeiten sowie Einkehrmöglichkeiten sind garantiert – ist ja auch was.

Moselschleifen/Traumschleifen: Besonders um Cochem legt die Mosel zahlreiche Kurven ein, die landestypisch als Moselschleifen bezeichnet werden. An diesen gibt es zahlreiche Wanderwege, die sich für Varianten des Moselsteigs anbieten.


Planungshilfen für den Moselsteig

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Es gibt auch eine kostenlose Rheinland-Pfalz-App, auf der sich alle Tourenbeschreibungen finden und es sogar kostenloses Offline-Kartenmaterial zum Navigieren ohne Internet gibt.

Mosellandschaft im Herbst
Bester Wandertipp: Nie den Blick für’s Detail verlieren

*Bloggerreise: Dieser Bericht ist im Rahmen einer Einladung der Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH zum Bloggerwandern entstanden. Anreise, Unterkunft und Verpflegung hat die Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH für mich getragen. Meine Meinung, Ansichten und Tipps bleiben davon unbeeinflusst.


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2 Gedanken zu „Moselsteig

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