Etappe 8: Kloster Lluc – Pollenca

Etappe 8: Kloster Lluc – Pollenca

  • Ausgangspunkt: Kloster Lluc
  • Endpunkt: Pollenca
  • Strecke: 21,3 km
  • Aufstieg: 650 m
  • Abstieg: 1.073 m
  • Dauer: 6:40h

 

Und plötzlich war Sommer

Gestern noch Schnee, heute T-Shirt Wetter – Mallorca zeigt uns innerhalb weniger Stunden ganz verschiedene Seiten. Diese sonnige Seite ist mir aber deutlich lieber. Vor allem, weil wir beim Blick aus dem Fenster das erste Mal die Berge sehen, die wir gestern bezwungen haben. Wieder steht der Puig Major stolz vor uns mit seinem gezuckerten Hut. Sieht ganz idyllisch aus, wenn man nicht gerade da durch muss. Allein dieser Anblick und die wohltuende Nacht im Kloster Lluc machen alle Strapazen vergessen. Im Laufe unserer Tagesetappe nach Pollenca, bei der ich noch den Tomir besteige, versöhne ich mich mehr als einmal mit dieser wunderschönen Balearen-Insel. Ich trage T-Shirt, ich habe eine atemberaubende Weitsicht und wir schaffen trotz aller Widrigkeiten den GR 221 ohne zu Schummeln!

Kloster Lluc in der Serra de Tramuntana auf Mallorca
Der Blick zurück zum Kloster Lluc bei strahlendem Sonnenschein

Diese letzte Etappe des Fernwanderwegs GR 221 kommt eigentlich in allen Wanderführern nicht besonders gut weg. Für mich ist es aber eine der schönsten Etappen, wenn nicht sogar die Schönste. Das mag vielleicht daran liegen, dass die beiden Etappen zuvor Regen- und Schneeschlachten waren, ganz sicher aber liegt es an einer Abwandlung der Tour. Nach etwa einem Viertel kann man nämlich zum Puig Tomir auf 1.104 Meter steigen. Nicht unbedingt ein leichter Anstieg, da einige Passagen ausgesetzt sind, man auf einer alten Geröllrinne entlangläuft und es auch eine etwa 8 Meter hohe Steinwand kletternd zu überwinden gilt. Aber der Aufstieg lohnt sich.

Überfluteter Wanderweg auf dem Fernwanderweg auf Mallorca
Nein, das ist kein Bach, das ist ein Pilger-/Wanderweg!

Aber zunächst geht es in Richtung Refugi Son Amer – wie leichtfüßig es sich doch (noch) in der Sonne wandert. Wir genießen den Blick zurück zum Kloster Lluc, das uns als tolle Wanderunterkunft in Erinnerung bleiben wird. Bis zum Refugi müssen wir jedoch noch die ein oder andere Schikane überwinden. Denn es ist zwar von oben trocken, aber die Wanderwege gleichen immer noch kleinen Flüsschen. Und wir haben an diesem Tag nur ein Ziel: trockene Füße. Also werden wir auch hier kreativ und werfen Steine als Tritt in die Bäche – wir haben ja Übung.

Hinauf zum Aussichtsberg Tomir

Lieb gewonnene Steineichen begleiten uns auch auf dem Weg zum Aufstieg des Tomirs. Diese Etappe ist nicht einsam und man fragt sich, wo diese Wanderer die letzten Tage wohl waren. Der Steineichenwald wird dank des Regens für uns sogar ein bisschen zum Märchenwald. Denn als die Sonne etwas höher steigt und auf das regendurchtränkte Moos scheint, steigt dunstiger Nebel auf. Mystisch!

Steineichenwald mit Moos und Dunst auf Mallorca
Die Sonne steht auf dem nassen Moos und Dunst verzaubert den Wald

Kurz bevor der Waldweg in eine Schotterpiste übergeht, zweigt rechts der Weg zum Tomir ab. Ich will mich unbedingt noch mit einer letzten Aussicht belohnen und steige auf den Puig de Tomir auf etwa 1.100 Meter. Es ist eine anstrengende Tour, bei der man auch die Hände braucht und eine Kletterstelle überwinden muss. Etwa 15 Minuten bevor ich oben bin, ziehen vom Puig Major her dicke Wolken auf und hüllen mich ein. Kann ja wohl nicht wahr sein, oder?

Steinmännchen auf dem Puig de Tomir
Steinmännchen weisen den Weg auf dem Tomir, im Hintergrund der Puig Major

Aber zumindest heute ist der Wettergott gnädig mit mir, denn oben angekommen, scheint die Sonne und alle Wolken sind weg. Schon auf dem gerölligen Sattel, den der Tomir umgibt, weiß ich gar nicht wohin ich zuerst schauen soll. Ich sehe den Puig Major mit seiner weißen Schneedecke und kann bis Pollenca, Port de Pollenca und zum Cap Formentor schauen – ein Traum! Ich bin versöhnt mit Mallorca. An klaren Tagen kann man wohl sogar bis zur Nachbarinsel Menorca schauen – vor lauter Begeisterung achte ich nicht einmal darauf.

Gipfel des Tomirs auf Mallorca, mit fantatstischer Sicht
Der Gipfel des Tomirs und im Hintergrund der Blick auf das Cap Formentor

Auf den letzten Kilometern nach Pollenca lassen die Kräfte nach

Nach dem ich mich schweren Herzens vom Tomir verabschiedet habe und auch den schweren Abstieg (es geht auf der gleichen Strecke zurück) gemeistert habe, schlagen wir den Weg nach Pollenca ein. Sind ja nur noch 16 Kilometer. Ich merke, warum diese Strecke bei anderen nicht so hoch im Kurs steht. Es geht ab hier etwa vier Stunden bergab und relativ oft einfach nur gerade aus. Die letzten zwei Tage und der Tomir zollen ihren Tribut. Die Knie sind dick, die Füße schmerzen höllisch und das Kreuz zwickt. Immer wieder lenken mich diese tollen Farbkontrasten zwischen sattem Frühlingsgrün und strahlend blauem Himmel ab. Auch einen beeindruckenden Wasserfall, der in der Ferne mehrere hundert Meter in die Tiefe stürzt können wir bewundern.

Doch irgendwann sind auch die letzten Reserven aufgebraucht. Jeder Schritt fällt mir schwer und ist nur unter höllischen Schmerzen möglich. Dass ich auf diesem einfachen Endstück so einknicke, hätte ich nun wirklich nicht gedacht. Es gelingt uns, die Bushaltestellen, die sich in Richtung Pollenca häufen, zu übersehen. Wir machen jede viertel Stunde eine Pause und schaffen es mit Ach und Krach nach Pollenca. Tschakka!

Steinbrücke auf dem Weg nach Pollenca
Endlich mal eine Steinbrücke, die man sogar mit Schuhen passieren kann 🙂

Das war unsere Tour nach Pollenca

Download: Etappe 8 vom Kloster Lluc nach Pollenca


Übernachtung in Port de Pollenca

Nach einem kühlen Getränk geht es zu unserer Unterkunft in Port den Pollenca. Nicht unbedingt das Highlight unserer Tour. Wir bleiben zwei Tage, weil wir noch das Cap Formentor erkunden wollen. Obwohl ich es mir an diesem Abend nicht vorstellen kann, schnüren wir am nächsten Tag sogar unsere Wanderschuhe und legen wieder viel zu viele Kilometer zurück, um uns die Cala Boquer, die Cala en Hossabla und den Sonnenuntergang am Albercutx anzuschauen.

 

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