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Etappen-Wandern
Wanderblog über Fernwanderwege Europas
Hüttentour durch die Allgäuer Alpen

Hüttentour durch die Allgäuer Alpen

4. Juli 2026

Drei Tage Berge, drei Hütten, zwei Länder und ziemlich viele Gründe, unterwegs immer wieder stehenzubleiben. Diese Hüttentour durch die Tannheimer Berge/Allgäuer Alpen ist eine perfekte kleine Auszeit: nicht zu wild, nicht zu brav, aber genau richtig, wenn man einmal ausprobieren möchte, wie gut Wanderschuhe, Hüttenschlafsack und ein Abendessen mit Aussicht zusammenpassen.

Am Anfang ist da der Lech, der hellblau, breit, ruhig und genügsam durch die Bergwelt fließt. Auch diese Hüttentour folgt diesem Motto, zumindest im Vergleich zu den großen hochalpinen Unternehmungen. Aber ohne Höhenmeter kommt man natürlich auch in Allgäuer Alpen  nicht davon. Denn die Hütten und Almen, die als Stationen dieser herrlichen Hüttentour dienen, liegen schön weit oben am Berg. Da muss man schon hin. Schritt für Schritt. Dafür wird diese Tour mit jedem Kilometer schöner. Erst der Lech, dann Moor- und Feuchtwiesen, der Frauensee, kleine Kapellenruhe, Waldanstiege, grüne Grashänge, schroffe Gipfel und schließlich die Hütten, bei denen man abends sehr schnell Stress und Alltag vergisst. Halt so wie es auf einer gelungenen Hüttentour sein muss.

Die Tannheimer Berge gehören zu den Allgäuer Alpen und liegen genau dort, wo Bayern und Tirol sich landschaftlich ziemlich gut einigen konnten. Sanfte Almlandschaften treffen auf zackige graue Gipfel, helle Bergseen auf dunklen Wald, gemütliche Hütten auf echte Bergmomente. Wer am Abend von der Bad Kissinger Hütte über das Alpenvorland schaut, darf sich ruhig ein bisschen frei fühlen. Oder auch ein bisschen mehr.

Eine perfekte Hüttentour, die früh und spät im Jahr begangen werden kann und auch Einsteiger:innen nicht überfordert. Ambitioniertere legen die zweite und dritte Etappe zusammen und erfreuen sich an einer beeindruckenden 3-Tages-Tour.

Inhalt

    1. Anforderungen & Überblick
    2. Mit Hund auf Hüttentour
    3. 4 Tage durch das Allgäu – die Etappen
    4. Hinweise und Planungshilfen
    5. Hütten auf der Tour

     Anforderungen & Überblick

    Diese Hüttentour eignet sich hervorragend für Einsteiger:innen ins Hüttentrekking. Die Wege sind überwiegend gut angelegt, selten richtig steil und technisch nicht allzu anspruchsvoll. Trotzdem bleibt es eine Gebirgswanderung. Schmale Wege, steilere Stufen, Weidevieh und bei Nässe rutschige Passagen gehören dazu.

    Grundsätzlich verläuft die Tour auf überwiegend einfachen Bergwanderwegen. Hier und da werden die Pfade schmaler, manchmal fordern steilere Stufen – und in der Reichenbachklamm gibt es Drahtseile, die besonders bei Nässe hilfreich sind. Die Tour ist für eine Gebirgswanderung aber als leicht einzustufen.

    Daten

    • Beste Reisezeit: Mitte/Ende Mai bis Anfang/Mitte Oktober.
    • Dauer: 3-4 Tage
    • Länge: ca. 32 km
    • Höhenmeter Aufstieg: ca. 2000 m
    • Höhenmeter Abstieg:  ca. 2000 m
    • Schwierigkeit: Bergtour mit Schwierigkeiten überwiegend T2, stellenweise auch T3 nach SAC Wanderskala
    • Art der Tour: alpine Streckenwanderung

    Etappenübersicht Hüttentour Allgäuer Alpen

    Bevor man sich auf den Weg begibt, muss man eine wichtige Frage beantworten: gemütlich in vier Tagen oder sportlicher in drei? Die entspannte Variante verteilt die Tour auf vier kurze bis mittellange Etappen. Das ist ideal, wenn man zum ersten Mal von Hütte zu Hütte wandert, gern Pausen macht, Hüttenabende auskosten möchte und überhaupt der Meinung ist, dass ein Bergsee nicht nur zum Vorbeigehen erfunden wurde. Die sportlichere Variante legt die zweite und dritte Etappe zusammen. Dann wird aus zwei kurzen Hüttenbummeletappen ein ziemlich ordentlicher Bergtag, an dem man sich den Kaiserschmarren auf der Hütte auch wirklich verdient.

     AusgangspunktEndpunktLängeAufstiegAbstiegDauer
    1Bahnhof PflachLechaschauer Alpe13 km1050 m300 m5:00
    2Lechaschauer AlpeOtto-Mayr-Hütte6 km400 m540 m3:00
    3Otto-Mayr-HütteBad Kissinger Hütte7 km500 m270 m3:00
    4Bad Kissinger HütteBahnhof Pfronten-Steinach6 km0 m930 m3:00
     


    Wegverlauf und Höhenprofil des Trekkings

    Download: GPX Hüttentour Allgäu


    Mit Hund auf Hüttentour

    Die gute Nachricht vorweg: Ja, diese Tour ist auch mit Hund gut machbar. Die Wege in den Allgäuer Alpen sind für einen bergerfahrenen Hund nicht übermäßig anstrengend, und die Tagesetappen bleiben überschaubar. Ich habe diese Tour noch mit meiner alten Hundedame Lotte gemacht, an eine herausfordernde Passage für sie, kann ich mich nicht erinnern.

    Trotzdem gibt es ein paar Punkte, die man ernst nehmen sollte. Es werden immer wieder mal Kuhweiden gequert, vor allem vor der Lechaschauer Alpe gibt es auch Mutterkuhweiden. Wie man sich richtig verhält erfährst du im Artikel: Mit Hund unterwegs – Tipps für den Tierkontakt bei Bergtouren. Im Hochsommer kann es außerdem sehr warm werden, weshalb man die Mittagszeit meiden sollte. Am Anfang der Reichenbachklamm gibt es eine kurze Gitterrost-Stelle.

    Bis auf die Otto-Mayr-Hütte erlauben die Hütten Hunde, allerdings jeweils mit eigenen Regeln. Auf der Lechaschauer Alpe dürfen Hunde im Lager auf dem Fußboden schlafen. Auf der Bad Kissinger Hütte gibt es ein Hundezimmer beziehungsweise eine Mitnahme nach vorheriger Absprache. Vorher anfragen ist also Pflicht. Einfach mit wedelndem Überraschungsgast auftauchen ist selten die eleganteste Variante. Statt der Otto-Mayr-Hütte kann man auf die nur wenige Minuten entfernte Füssener Hütte zurückgreifen.


    4 Tage durch die Allgäuer Alpen – die Etappen

    Die Tannheimer Berge zeigen auf dieser Tour ziemlich viel von dem, was Hüttentrekking so schön macht: Wasser, Wald, Almen, Aussicht, Hüttenessen, ein bisschen Muskelarbeit und am Ende dieses sehr besondere Gefühl, zu Fuß von einem Tal ins andere gekommen zu sein. Kein großes Drama, kein wilder Überlebenskampf, aber ein kleines, rundes Alpenabenteuer. Und die sind manchmal genau die besten.

    Etappe 1: Vom Bahnhof Pflach zur Lechaschauer Alpe

    Die Tour beginnt am Bahnhof Pflach. Das ist angenehm unspektakulär und genau deshalb ziemlich gut. So kann ich direkt ohne komplizierten Transfer starten. Rucksack schultern und los sozusagen. Zunächst folgen wir der Hauptstraße wenige Minuten Richtung Reutte nach Süden. Nach der Brücke biegen wir rechts ab und treffen auf den Lechweg mit seiner geschwungenen „L“-Markierung. Der Name ist Programm, denn der Lech wird uns nun hellblau begleiten und dafür sorgen, dass ich in den ersten Minuten viel zu viele Fotos macht. 

    Entlang des Archbachs führt der Lechweg dann direkt ins Naturschutzgebiet Tiroler Lech. Vom Vogelbeobachtungsturm habe ich eine schöne Aussicht über das Lechtal, bevor es vorbei an Lech, Mooren und Feuchtwiesen weitergeht. Nach etwa einer Stunde wartet der erste leichte Anstieg. Wir erreichen den Frauensee, 972 m, mit Einkehrmöglichkeit, und kurz darauf die gut ausgeschilderte Kostaries-Kapelle. Pause. Denn erstens ist es schön, und zweitens kommt später noch genug Berg. Nach der Aussicht geht es auf dem Lechweg zunächst etwas steiler hinab nach Wängle, 882 m. Wer die Tour ruhiger angehen möchte, kann auch erst hier einsteigen und spart sich etwa 300 Höhenmeter. 

    Von Wängle geht es dann auf einem einfachen Panoramaweg weiter, bis schließlich die Schilder zur Lechaschauer Alpe auftauchen und wir den Lechweg verlassen. Nun beginnt der eigentliche Hüttenanstieg: erst schattig im Wald, später luftiger, Höhenmeter für Höhenmeter hinauf zur Lechaschauer Alpe. Die vielen Höhenmeter werden nicht nur mit einer fantastischen Aussicht belohnt, sondern das Außenareal ist auch mit herrlichen Sitzgelegenheiten liebevoll gestaltet. Also ziemlich genau das, was man sich an so einem ersten Hüttenabend wünscht. 


    Etappe 2: Von der Lechaschauer Alpe zur Otto-Mayr-Hütte

    Der zweite Tag ist in der 4-Tage-Variante angenehm kurz. So lässt es sich nicht nur ganz entspannt in den Tag starten, sondern – gutes Wetter vorausgesetzt – es bieten sich auch viele Gelegenheiten für ausgiebige Pausen. Vor allem wenn man wie wir den neugierigen Walliser Schwarznasenschafen begegnet. Ich finde ja, es gibt kaum etwas Knuffeligeres in den Bergen. Zumal sie meist auch recht gemütlich und zugewandt sind. Liebs.

    Bei guten Wetterbedingungen bietet sich die Route über die Nesselwanger Scharte auf den Wegen 417 und 415 an. Diese Variante verlangt zwar etwas mehr Trittsicherheit und bringt einige steilere Höhenmeter mit, landschaftlich lohnt sie sich aber sehr. Die Steige zur und von der Scharte sind teilweise drahtseilversichert und erfordern Trittsicherheit. Wer mit Hund unterwegs ist, sollte einkalkulieren, dass der Vierbeiner hier eventuell Unterstützung braucht. Die einfachere Hauptroute führt hinter der Alpe in Richtung Hochjoch. Dort geht es geradeaus weiter und dann bei der nächsten Möglichkeit rechts zum Sabajoch. Auf der anderen Seite der Scharte wird es schmaler und aussichtsreicher. Später führt der Weg durch den Wald hinab zur Musauer Alm, Einkehr. 

    Von der Musauer Alm geht es bequem auf einem Fahrweg in Richtung Otto-Mayr-Hütte. An einer Brücke trifft die Variante von der Nesselwanger Scharte wieder auf die Hauptroute. Kurz danach stellt sich noch eine kleine Entscheidung: Steig oder Fahrweg? Der Steig ist etwas steiler, der Fahrweg etwas länger. Beide führen zur Otto-Mayr-Hütte. 


    Etappe 3: Von der Otto-Mayr-Hütte zur Bad Kissinger Hütte

    Auch diese Etappe ist vom Zeitaufwand überschaubar. Man kann den Tag ebenso gemütlich beginnen. Wir wandern den ganzen Tag entlang der Baumgrenze durch die Allgäuer Alpen. Mal führt der Weg etwas unterhalb durch den Wald, mal öffnet sich oberhalb die Aussicht. Der Wanderweg 414 begleitet uns vom Start bis zum Ziel. Zunächst peilen wir das Füssener Jöchl, 1.818 m, an. Dort gibt es eine Einkehrmöglichkeit. 

    Nach dem Jöchl geht es noch ein Stück bergauf, bevor breitere Wege den Abstieg zur Seebenalpe, 1.642 m, einleiten. Der markante Aggenstein steht nun direkt vor uns. An seinem Fuß liegt die Bad Kissinger Hütte, unser Tagesziel. Rechts öffnet sich der Blick ins Alpenvorland, und je weiter wir auf dem kurzen Schlussanstieg zur Hütte vorankommen, desto besser wird die Aussicht.

    Auf der Bad Kissinger Hütte endet dieser Hüttentag. Die Lage ist schon ziemlich traumhaft und auch die meist gut besuchte Hütte macht einen tollen Eindruck. Wer noch Energie hat, kann den markanten Aggenstein noch am selben Tag besteigen. Wer lieber einen besonderen Moment am Morgen haben möchte, hebt ihn sich für den Sonnenaufgang auf. Von der Bad Kissinger Hütte ist der Gipfel in etwa einer halben Stunde erreichbar.


    Etappe 4: Von der Bad Kissinger Hütte nach Pfronten-Steinach

    Man soll ja bekanntlich gehen, wenn es am schönsten ist. Zunächst wandern wir auf dem bekannten Weg zurück bis zum Bösen Tritt. Dort biegen wir nach links hinab. Der Weg ist am Anfang durchaus steil. Die Knie melden sich hier und da höflich zu Wort. Nach etwa einem Kilometer gibt es zwei Optionen. Der Weg 411 führt nach etwa einer Dreiviertelstunde zur Bergstation der Breitenbergbahn und hält eine knieschonende Abfahrt zum Ziel bereit.

    Alle anderen folgen dem Weg zur Reichenbachklamm. Die naturbelassene Schlucht gesäumt mit rauschenden Wasserfällen und moosbewachsenen Felsen ist im Gegensatz zu manchen überlaufenen Klammen eher so etwas wie ein Geheimtipp. In der Klamm helfen an manchen Stellen Drahtseile, falls es bei Nässe rutschig wird. Anschließend geht es weiter Richtung Talstation der Breitenbergbahn und zum Bahnhof Pfronten-Steinach.


    Hinweise & Planungshilfen

    Anreise und Rückreise: Ausgangspunkt der Tour ist der Bahnhof Pflach wenige Minuten von Reutte entfernt. Der Endpunkt ist der Bahnhof Pfronten-Steinach. Mehrtagesparkplätze gibt es am Endpunkt der Tour. Tickets sind ab 9 Uhr an der Kasse der Breitenbergbahn erhältlich. Von Pfronten-Steinach fährt man bequem in wenigen Minuten mit dem Zug zum Ausgangspunkt.

    Kürzen: Wer den ersten Tag angesichts der Höhenmeter ruhiger angehen möchte, kann direkt in Wängle in die Tour einsteigen. Wängle ist mit dem Bus erreichbar. Dadurch spart man etwa 300 Höhenmeter. Am letzten Tag kann der Abstieg nach etwa einer Stunde mit der Breitenbergbahn abgekürzt werden. 

    Orientierung: Die Wege sind überwiegend gut ausgeschildert. Auf der ersten Etappe folgt man lange dem Lechweg mit der geschwungenen „L“-Markierung. Für die gesamte Tour empfiehlt sich die Alpenvereinskarte Bayerische Alpen; Tannheimer Berge, Köllenspitze, Gaishorn; BY 5; 1:25.000.


    Hütten auf der Tour

    Was wäre eine Hüttentour ohne schöne Hütten? Ich glaube nur halb so schön. Alle hier vorgestellten Hütten habe ich als uneingeschränkt empfehlenswert in Erinnerung. Es bietet sich eine Reservierung an. Bis auf die Otto-Mayr-Hütte sind Hunde (nur) nach Voranmeldung gestattet. 

    Lechaschauer Alpe, 1.670 m
    Geöffnet Ende Mai bis Mitte Oktober.
    27 Betten in einem Zimmer und zwei Lagern.
    Tel.: +43 677 640 011 51
    E-Mail: info@lechaschaueralm.at
    Website: www.lechaschaueralm.at

    Otto-Mayr-Hütte, 1.528 m
    Geöffnet Mitte Mai bis Anfang Oktober.
    47 Betten in Doppel- und Mehrbettzimmern sowie 37 Betten in Lagern.
    Tel.: +43 567 784 57
    Website: www.ottomayrhuette.com

    Füssener Hütte, 1.550 m
    Geöffnet: Mitte Mai bis Mitte Oktober
    50 Schlafplätze in 3er- bis 7er-Lagern
    Tel.: +43 664 3472980, Hüttentelefon Mai–Oktober: +49 8388 8823999,
    Website: www.fuessener-huette.at 

    Bad Kissinger Hütte, 1.788 m
    Geöffnet Mitte Mai bis Anfang Oktober.
    61 Betten in Doppelzimmern, Mehrbettzimmern und Lagern.
    Tel.: +43 676 373 11 66
    E-Mail: info@badkissingerhuette.at
    Website: www.badkissingerhuette.at


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    Kommentar zu “Hüttentour durch die Allgäuer Alpen”

    1. Anonym sagt:
      4. Juli 2026 um 21:31 Uhr

      Vielen Dank, dass du dir die Mühe machst, die Hütten vorzustellen und mit allen zu teilen. Es sind wirklich schöne Touren, einige davon habe ich schon gemacht.
      Liebe Wandergrüße,
      Sabine

      Antworten

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    Wanderschuhe machen aus mir eine Naturliebhaberin, Bergverrückte, Abenteurerin und Freiheitsliebende. Ich nehme dich mit auf meine Rucksack-Wanderungen durch Europa, in die Alpen und Deutschland. Von Ort zu Ort, Hütte zu Hütte, vom Sonnenschein in den Schnee, vom Flachland auf hohe Gipfel.

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