Lillebæltstien – Küstenwandern auf Fünen in 2 Tagen
Nur 27 Kilometer lang und trotzdem erstaunlich abwechslungsreich: Der Lillebæltstien führt an der Küste Fünens entlang durch Buchenwälder, über schmale Pfade, vorbei an Stränden und kleinen Ortschaften. Ich bin den dänischen Küstenwanderweg in zwei Tagen mit Hund und Shelterübernachtung gewandert – und habe dabei ziemlich ausdauernd nach den Schweinswalen im Kleinen Belt Ausschau gehalten.
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Nur gut eine Stunde hinter der deutsch-dänischen Grenze wartet plötzlich eine ganz andere Welt. Eine Welt mit reetgedeckten Häuschen, kleinen Küstenpfaden, herrlichen Buchenwäldern, ganz viel Meer – und mit Schweinswalen. Zumindest theoretisch. Denn den Zahlen nach lebt im Kleinen Belt rund um Middelfart eine besonders dichte Population der kleinen Wale. So verbringe ich auf dem Küstenwanderweg Lillebæltstien der dänischen Insel Fünen erstaunlich viel Zeit damit, nicht auf den Weg vor meinen Füßen, sondern auf die Wasseroberfläche zu schauen. Irgendwo muss doch mal eine dieser kleinen Rückenflossen auftauchen!
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Aber vorerst tun mir die delfinartigen Wale den den Gefallen nicht. Dafür bekomme ich auf dem Lillebæltstien in zwei Tagen ziemlich viel anderes geboten: Küstenlandschaften und Kulturland, Strand und Moor, kleine Ortschaften und Hafenatmosphäre, schmale Waldpfade, Steilküste und offene Wiesen. Dazu eine Nacht im Shelter direkt am Kleinen Belt, der Meerenge zwischen Jütland und Fünen, und schließlich – ich hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben – doch noch eine Schweinswalsichtung.
Inhalt
- Anforderungen & Überblick
- Mit Hund auf dem Lillebæltstien
- Lillebæltstien – die Etappen
- Hinweise und Planungshilfen
- Übernachtungen auf dem Lillebæltstien
Anforderungen & Überblick
Der Lillebæltstien verläuft an der Westküste der dänischen Insel Fünen von Strib über Middelfart um die Hindsgavl-Halbinsel bis nach Gamborg. Offiziell ist der Küstenwanderweg 27 Kilometer lang und zählt damit zu den längeren zusammenhängenden Küstenwanderwegen Dänemarks. Viel Kondition oder technische Skills braucht es für die Tour nicht. Ganz so flach und gemütlich, wie man es bei einer Wanderung in Dänemark vielleicht erwarten würde, ist sie aber auch nicht.
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Vor allem auf der Hindsgavl-Halbinsel führen schmale Pfade immer wieder überraschend hügelig über die Küstenhänge. Dazu kommen Naturwege, Wurzeln und je nach Wetter auch mal ein etwas rutschiger Untergrund. Es braucht also für die steileren Abschnitte durchaus gutes Schuhwerk. Man kann den Lillebæltstien ohne große logistische oder konditionelle Verrenkungen aber ganz gemütlich auf zwei entspannte Wandertage verteilen. Und genau das würde ich auch empfehlen. Nicht, weil 27 Kilometer sonst zu viel wären, sondern weil es am Weg schlicht zu viele schöne Stellen gibt, an denen man mal etwas länger sitzen bleibt – oder ziemlich lange erfolglos nach Walen schaut.
Daten zum Lillebæltstien
Der Lillebæltstien kann in beide Richtungen begangen werden und ist durchgehend markiert. Bei Hochwasser kann ein kurzer Abschnitt nördlich von Middelfart unpassierbar sein; für diesen Fall gibt es eine ausgeschilderte Alternative.
- Länge: offiziell 27 km
- Dauer: 1–2 Tage
- Start: Strib
- Ziel: Gamborg
- Art: Streckenwanderung
- Schwierigkeit: leicht bis moderat
- Markierung: weißer Wanderer auf blauem Grund
- Beste Reisezeit: grundsätzlich ganzjährig
- Landschaft: Küste, Strand, Wald, Wiesen, Kulturlandschaft und Ortschaften
Etappenübersicht
Ich habe den Lillebæltstien auf zwei ungefähr gleich lange Tagesetappen verteilt. Offiziell wird eine Aufteilung in rund sieben Kilometer von Strib nach Middelfart und etwa 20 Kilometer von Middelfart nach Gamborg vorgeschlagen. Meine Variante passt allerdings ziemlich gut, wenn man wie ich unterwegs im Shelter übernachten möchte.
| Ausgangspunkt | Endpunkt | Länge | Aufstieg | Abstieg | Dauer | |
| 1 | Strib, Røjle Klint | Shelter, Hindsgavl | 14,6 km | 110 m | 150 m | 3:30 |
| 2 | Shelter, Hindsgavl | Gamborg | 15,7 km | 140 m | 130 m | 4:00 |
| 3 | Tagestour Hindsgavl | 8 km | 100 m | 100 m | 2:00 |
Wegverlauf und Höhenprofil
>Download: GPX Lillebaeltstien-Kleine-Belt-Pfad
Download: GPX Tagestour Hindsgavl
Mit Hund auf dem Lillebæltstien
Abenteuerhund Greta war natürlich auch auf dem Lillebæltstien dabei. Grundsätzlich eignet sich der Weg auch richtig gut für eine Wanderung mit Hund. Die Tagesetappen sind nicht zu lang, landschaftlich gibt es ständig etwas Neues und technisch warten keine größeren Schwierigkeiten. Unbedingt beachten: Auf dem Lillebæltstien müssen Hunde an der Leine geführt werden. Teile des Weges verlaufen über private Grundstücke. Spätestens auf Hindsgavl ergibt das ohnehin ziemlich viel Sinn. Denn dort gibt es einen 165 Hektar großen Wildpark mit Rot- und Damwild. Bei meiner Bonuswanderung standen die Hirsche teilweise nur wenige Meter vom Weg entfernt. Greta fand das ziemlich aufregend.
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Durch die Nähe zur Küste ergeben sich unterwegs immer wieder schöne Möglichkeiten für Pausen am Wasser. Darauf verlassen, dass der Hund unterwegs ausreichend geeignetes Trinkwasser findet, würde ich mich trotzdem nicht. Gerade an wärmeren Tagen gehört ausreichend Wasser für den Hund in den Rucksack. Es reicht eine kleine Portion, unterwegs kann man immer wieder Trinkwasser auffüllen.
Lillebæltstien – die Etappen
Gleich zu Beginn meiner Tour zeigt mir der Lillebæltstien, was er besonders gut kann: Das Dänemark-Gefühl. Diese angenehm entschleunigte, unaufgeregte Langsamkeit und Ruhe.
Tag 1 – Von Strib zum Shelter am Kleinen Belt
Visuell bedeutet es, dass der Weg mich zunächst vorbei an kleinen reetgedeckten Häusern, später zum Hafen und direkt ans Meer führt. Eine Mischung aus Sandstränden, Küstenhängen, Stadt, offenen Landschaften und Wald. Das mag zunächst vielleicht etwas zusammengewürfelt klingen, funktioniert aber unterwegs erstaunlich gut. Denn sobald ich denke, jetzt weiß ich ungefähr, wie der Rest des Tages aussehen wird, biegt der Weg irgendwo ab. Von der Stadt ins Moor, dann in den Wald und zurück ans Meer. Ganz schön viel Abwechslung für nicht einmal 15 Kilometer.
Hinzu kommen die vielen kleinen ruhigen Plätze entlang des Weges. Kleine, niedliche Orte, die ich nicht unbedingt als große Highlights bezeichnen würde, an denen ich aber trotzdem hängen bleibe. Und ja. Natürlich schaue ich bei jeder Gelegenheit aufs Meer. Schließlich bin ich hier nicht nur wegen der Küste. Im Lillebælt leben Schweinswale, und die lassen sich mit etwas Glück sogar vom Land aus beobachten. Vor allen die Küsten rund um Middelfart gelten als gute Beobachtungspunkte. Übrigens: Die Tiere sind ganzjährig im Belt unterwegs, besonders aktiv sind meist von Mai bis August. Ich schaue also. Und schaue. Und schaue noch ein bisschen länger. Und sehe schließlich an diesem ersten Wandertag: Nichts. Keine Rückenflosse. Keinen Schweinswal.
Mein Ziel für diesen ersten Wandertag ist kein Hotel oder Campingplatz, obwohl beides rund um Middelfart zur Verfügung steht. Ich habe mich für einen typisch dänischen Shelterplads entschieden. Auf und rund um die Halbinsel Hindsgavl liegen mehrere dieser einfachen Naturlagerplätze. Ich tausche an diesem Abend also mein weiches Bett freiwillig gegen Isomatte und Schlafsack. Mein Shelter bietet dafür etwas, das ein Hotelzimmer erst einmal nachmachen muss: einen fantastischen Blick auf die alte Lillebæltbrücke. Und so sitze ich bis zum Sonnenuntergang vor meinem Nachtlager, schaue auf die spiegelglatte Wasseroberfläche und suche weiterhin nach Schweinswalen.
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Tag 2 – Vom Shelter am Kleinen Belt nach Gamborg
Die Nacht im Shelter ist frisch. Umso mehr kann ich die ersten wärmenden Sonnenstrahlen am Morgen genießen. Ich packe meine Sachen zusammen und starte in den zweiten Tag auf dem Lillebæltstien, der heute ganz anders und viel naturnäher ist als gestern. Im Prinzip gleicht der Weg einem fröhlichen Auf und Ab an der Küste. Schmale Pfade führen durch herrlichen Laubwald und immer wieder entlang der Küstenhänge der Hindsgavl-Halbinsel. Meerblick inklusive.
Die Halbinsel Hindsgavl ragt direkt in den Kleinen Belt hinein. Buchenwald wächst hier teilweise fast bis ans Wasser, dazwischen liegen offene Flächen, Küstenhänge und Wiesen. Zwischendurch locken ständig Plätze zu einer Pause. An einem gebe ich schließlich nach und freue mich über mein Frühstück mit Meerblick. Mittlerweile habe ich wirklich lange auf die Wasseroberfläche gestarrt, um langsam einzusehen, dass das mit den Schweinswalen vielleicht einfach nichts mehr wird. Und genau dann passiert es. Ganz unscheinbar durchbricht eine kleine dunkle Flosse die Oberfläche. Nur für einen kurzen Moment, leise, völlig unspektakulär und doch ist es irgendwie eine große Sache für mich.
Später verändert sich die Landschaft erneut. Die Steilküste bleibt zurück, das Gelände wird flacher und offener. Bohlenwege wechseln sich mit schmalen Pfaden ab, immer wieder geht es direkt am Wasser entlang. Definitiv hat sich der Lillebæltstien einen der schönsten Abschnitte bis ganz zum Schluss aufgehoben. Und irgendwann stehe ich schließlich in Gamborg. Am Ende des Lillebæltstien.
Bonus: Hindsgavl als Rundwanderung
Wer keine zweitägige Streckenwanderung machen möchte, kann den Lillebæltstien auch gut portionsweise in Tagestouren kennenlernen. Eine schöne Möglichkeit ist, einen Teil des Küstenweges mit einem Rückweg durch das Innere der Hindsgavl-Halbinsel zu verbinden. Das habe ich nach meinen zwei Tagen auf dem Lillebæltstien mit der Tagestour ausprobiert. Und dieser kleine Nachschlag lohnt sich.
Denn während der Lillebæltstien vor allem an der Küste entlangläuft, führt die Tour mitten hinein in den Hindsgavl. Bei meiner Wanderung im Mai steht gerade der Bärlauch in voller Blüte und bedeckt Teile des Waldbodens. Herrlich. Dazu kommt Hindsgavl Slot. Heute wird das Schloss als Hotel und Veranstaltungsort genutzt, während Teile der Parkanlage öffentlich zugänglich sind. Mein persönliches Highlight liegt allerdings direkt daneben. Der Wildpark.
Auf der Hindsgavl-Halbinsel erstreckt sich ein rund 165 Hektar großes Wildgehege mit Rot- und Damwild. Ein Netz verschiedener Wanderwege führt durch Wald und offene Flächen; die Tiere übernehmen dort gleichzeitig einen Teil der Landschaftspflege. Die Hirsche stehen nur wenige Meter vom Weg entfernt. Das war ziemlich beeindruckend.
Hinweise und Planungshilfen
Beste Jahreszeit: Grundsätzlich kann der Lillebæltstien das ganze Jahr über begangen werden. Wer auf Schweinswale hofft, sollte sich die Monate Mai bis August vornehmen, dann sind ihre aktivsten Monate. Dann braucht man aber ein bisschen Geduld und Zeit. Auch um an einem der schönen Plätze zu verweilen. Und einfach so aufs Meer zu schauen. Ist ja auch wichtig.
Orientierung: Verlaufen ist auf dem Lillebæltstien nicht besonders einfach. Der Weg ist mit einem weißen Wanderer auf blauem Grund markiert und kann in beide Richtungen gegangen werden – grundsätzlich auch ohne Karte. Zudem sind Shelter, Restaurants, Trinkwasserstellen und ähnliches perfekt beschildert.
Hochwasser: Ein kleiner Teil des Lillebæltstien nördlich von Middelfart verläuft so nah am Wasser, dass er bei Hochwasser nicht passierbar sein kann. In diesem Fall gibt es eine ausgeschilderte Alternativroute.
Verpflegung: Unproblematisch, da die Route immer wieder durch kleine Ortschaften führt, wo es Einkaufsmöglichkeiten und Cafés gibt. Trinkerwasserstellen gibt es oft, sie sind auch beschildert. Gleichzeitig liegen entlang des Weges viele ruhige Rastplätze mit
Blick auf den Kleinen Belt. Deshalb gehört ein bisschen Proviant trotzdem in den Rucksack. Denn die schönsten Pausenplätze sind auf dieser Wanderung wahrscheinlich nicht die mit der Speisekarte. Sondern irgendeiner am Wasser.
Rückweg: Der Lillebæltstien ist eine Streckenwanderung. Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurück nach Strib fahren will, tut dies am besten mit Flextur (Verkehrdienst auf Bestellung) oder dem Taxi. Ich hab die Strecke mit dem Rad zurückgelegt, das ich vorher am Endpunkt abgestellt habe. Das waren insgesamt nur 15 Kilometer und Klein-Greta durfte sich in meinem Rucksack den Fahrtwind um die Fellnase wehen lassen.
Übernachten auf dem Lillebæltstien
Für eine Zweitagestour gibt es rund um Middelfart verschiedene Möglichkeiten für die Übernachtung. Wer Komfort möchte, findet Hotels, Campingplätze und andere klassische Unterkünfte. Wer etwas mehr Dänemark-Gefühl möchte, kann dagegen nach einem Shelter Ausschau halten. Gerade auf Hindsgavl liegen solche Naturlagerplätze direkt am Kleinen Belt. Am Søbadet stehen beispielsweise vier Shelter zur Verfügung, mit Trinkwasser und Toiletten in der Nähe.
Für mich war die Nacht im Shelter eine ziemlich perfekte Ergänzung zur Wanderung. Auch wenn sie frisch war. Aber dafür morgens direkt wieder mit Blick aufs Wasser aufzuwachen? Eine ziemlich gute Idee! Mehr Infos zu den Shetlern gibt es unter www.udinaturen.dk/kort













