Wandern mit Regenschirm

Wandern mit Regenschirm

“Und was packst du noch ein?”
“Einen Regenschirm.”
“Was???”

So oder so ähnlich ist eigentlich fast immer die Reaktion darauf, wenn ich erzähle, dass ich seit neustem auf meinen Wanderungen und Fernwanderungen einen Regenschirm dabeihabe. Wenn ich ehrlich bin, habe ich lange Zeit auch gezögert, denn irgendwie ist Wandern mit Regenschirm so ziemlich das uncoolste was es gibt. Wer hier schon etwas länger auf meinem Blog liest, weiß aber was wir für ein Pech mit dem Wetter auf Mallorca einige Tage lang hatten. Danach habe ich mich entschieden, das Wandern mit Regenschirm aber zumindest auszuprobieren. Jetzt gehört der Schirm fest zu meinem Equipment, wenn ich Wanderschuhe anhabe.

Wandern im Regen
Ohne Regenschirm im Dauerregen und trotzdem fröhlich auf Mallorca

Eine Pause im Dauerregen – unmöglich

Wenn man wie wir auf Mallorca zwei Tage im Dauerregen unterwegs ist, passiert es nicht selten, dass irgendwann auch die beste Regenkleidung versagt. Ehrlicherweise muss ich jedoch gestehen, dass ich nicht bereit bin über 200 € für eine Regenjacke auszugeben. Es mag sein, dass es oberhalb dieses Preissegments Regenbekleidung gibt, die auch wirklich jedem Wetter trotzt. Meine gute, aber mit etwa 150 € nur mittelpreisige Regenjacke macht jedoch irgendwann, so nach vier Stunden Dauerregen, schlapp. Wenn man mitten in der Pampa unterwegs ist, gibt es für gewöhnlich kein Dach unter dem man sich mal unterstellen kann und nach sechs Stunden Regen etwas essen oder sich etwas Trockenes anziehen kann. Auf Mallorca sind wir daher immer durchmarschiert, klitschnass, ohne Pause und ohne etwas zu essen. Ein Regenschirm hätte uns da sehr geholfen. Gerade, wenn er groß ist und sich in den Baum hängen lässt.

Das Problem mit dem Schwitzen

Aber selbst wenn man das nötige Kleingeld für eine richtig gute Regenjacke hat, ein Problem bleibt immer gleich: Denn egal wie atmungsaktiv das gute Stück auch sein soll, Dichtigkeit und Atmungsaktivität schließen sich für mich nach logischem Menschenverstand einfach aus. Überhaupt kann es nur bei einem deutlichen Temperaturgefälle ein bisschen funktionieren. Am Ende bleibt, dass man – vor allem bei sommerlichen Temperaturen oder bei einem Aufstieg – unter einer Regenjacke einfach schwitzt. Und dann ist man trotzdem nass, auch wenn die Regenjacke das Wasser von außen abhält.

Handsfree Regenschirm
Unter meinem Regenschirme schwitze ich nicht und die Hände habe ich auch frei

Auf dem Meraner Höhenweg, den wir im Juli gelaufen sind, hatten wir an einem Tag eben dieses Pech mit dem Regen. Während sich zwei andere Mitwanderer in ihre Regenjacken zwängten, spannte ich – sogar ein bisschen freudig – meinen Regenschirm auf. Und wirklich! Ich blieb trocken, kam überhaupt nicht ins Schwitzen und war heilfroh nicht in meine Regenjacke zu müssen. Ein Regencape oder Regenponcho kommt für mich übrigens ebenfalls nicht in Frage. Wenn man beim Bergwandern doch mal die Hände braucht, sind die mir einfach zu gefährlich. Zudem versperren sie bei Wind auch noch die Sicht auf den Untergrund.

Welcher Regenschirm der Richtige ist

Ich habe mich für einen Regenschirm entschieden, der speziell für Wanderer gemacht ist. Er kostet eigentlich um die 100€, ich bekomme ihn als B-Ware jedoch für die Hälfte. Er ist gewichtsoptimiert und wiegt nur 250 Gramm, also etwa 50 Gramm mehr als der gute alte Knirps. Der es übrigens auch tut – zumindest dann, wenn der Wind nicht so stark ist und man eine Hand entbehren kann. Aber zurück zu meinem Regenschirm. Er ist super stabil und lässt sich auch von einer Windböe nicht beeindrucken. Zudem kann ich ihn an den mitgelieferten Clips direkt an meinem Rucksack befestigen und habe die Hände beim Wandern mit Regenschirm frei, zum Beispiel für Stöcke. Der untere Teil des Regenschirms ist übrigens am Bauchgurt befestigt und lässt sich verschieben. Dadurch und dass ich den Schirm sowohl links als auch rechts befestigen kann, kann man den Schirm sogar bei seitlichem Wind benutzen.

Wandern mit Regenschirm
Wenn ich ihn nicht brauche ist der Regenschirm außen an meinem Rucksack befestigt

Wenn ich den Regenschirm beim Wandern nicht brauche – das ist mir ja ohnehin das Liebste – ist er seitlich an meinem Rucksack befestigt und stört dort kaum. Nur wenn man ihn doch nicht benutzen will, aber die Regenhaube über den Rucksack ziehen will, wird’s problematisch.

Wandern mit Regenschirm – die Vorteile

  • man schwitzt bei warmen Temperaturen nicht
  • ermöglicht Pausen auch bei Dauerregen z.B. zum Umziehen oder Essen
  • fotografieren ist auch bei Regen möglich
  • bei Dauerregen schützt er auch die Regenjacke, somit hält sie länger dicht
  • Regen läuft nicht zwischen Rucksackschutz und Regenjacke
  • freie Sicht
  • schnell aufgespannt und weggepackt (Wohin mit der nassen Jacke nach dem Regen?)
  • schützt auch vor Sonne
  • bei speziellen Schirmen: Hände frei
Sicht unter dem Regenschirm beim Wandern
Wandern mit Regenschirm bietet auch freie Sicht ohne dass einem das Wasser in die Jacke läuft

Wandern mit Regenschirm – die Nachteile

  • mehr Gewicht
  • bei Gewitter nicht nutzbar (Blitzeinschlag-Gefahr!)
  • bei böigem Wind keine Option
  • etwas sperrig (bei Nutzung der Rucksackregenhaube)
  • schützt nicht vor Kälte
  • man bleibt bspw. im Wald leichter an tiefen Ästen hängen
  • Kosten
Regenjacke bei Schnee und Kälte
Wenn’s kalt ist schützt der Regenschirm nicht vor Auskühlung, daher benutze ich dann eine Regenjacke

Ich habe jetzt übrigens immer beides dabei. Regenjacke und Regenschirm. Für mich ist das die ideale Kombination. Wie ist das bei dir? Was nimmst du an Regenschutz auf deine Wanderungen mit? Ich freue mich über deinen Kommentar.


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4 Gedanken zu „Wandern mit Regenschirm

  1. Ich sehe das ähnlich wie du, was die Regenbekleidung angeht. Ich bin im letzten Jahr den Jakobsweg von Bonn aus nach Trier quer durch die Eifel gewandert. Zu dem Zeitpunkt dachte ich auch, dass eine Regenjacke sinnvoller wäre als ein Regenschirm. Obwohl ich eine gute sog. atmungsaktive Regenjacke hatte, war mir ständig zu warm. Und bei Dauerregen bleibt man einfach nicht trocken darunter. Die beiden Aspekte sind auch der Grund dafür, warum ich keine Regenhose anziehe. Da erscheint mir ein Regenschirm deutlich praktischer, zumal man ihn auch noch als Sonnenschutz einsetzen kann. Ich stimme mit dir da vollkommen überein.
    Nun war es in deinem Beitrag interessant für mich, zu erfahren, dass es anscheinend auch spezielle Wanderschirme gibt, die man am Rucksack befestigen kann und auf diese Weise sogar die Hände frei behält. Das wusste ich bisher nicht. Und das finde ich auch in dem Hinblick darauf interessant, weil ich unterwegs sehr gerne fotografiere. Vielen Dank für diese Information.
    Viel Spaß beim Wandern weiterhin.
    Sigrid (aus dem Raum Bonn)

    1. Hallo Sigrid,
      schön, dass dir die Informationen geholfen haben! Ich finde diese handsfree-Variante auch wirklich gut und es funktioniert auch ganz ordentlich. Natürlich ist es immer am schönsten, wenn man keinen Regen hat, aber so gewappnet geht es eigentlich in den Sommermonaten ganz gut. Ich finde die 50 € für den Schirm waren gut investiert.
      Auch dir viel Spaß beim Wandern und liebe Grüße
      Romy

  2. Hallo Romy,
    Ende Juni war ich für fünf Tage in Bayern wandern und leider hatte ich Pech mit dem Wetter. Ich hatte einen Poncho dabei, mit dem ich eigentlich ganz gut klar kam. Ein Poncho ist superpraktisch, da man den Rucksack damit abdeckt und das Ganze etwas luftiger ist, als in Regenjacke und Regenhose zu laufen. Ich beobachtete aber andere Wanderer, die mit Schirm unterwegs waren. Am vorletzten Wandertag, an dem es natürlich auch wieder regnete, habe ich mir dann unterwegs einen Schirm gekauft und der war wirklich Gold wert. Man schwitzt einfach deutlich weniger, man sieht besser ohne die Kapuze auf dem Kopf und irgendwie läuft es sich viel entspannter. Ab jetzt ist in meinem Wanderrucksack auf jeden Fall auch immer der Schirm mit dabei!
    Liebe Grüße,
    Juli

    1. Hallo Juli,
      oh, ich hatte letztes Jahr um die gleiche Zeit das gleiche Pech in Bayern, da waren wir im Chiemgau. Einen Schirm hatte ich da auch noch nicht, aber gerade im Sommer wenn es warm ist, will ich ihn auch nicht mehr missen. Und ja, man hat definitiv eine viel bessere Sicht!
      Liebe Grüße
      Romy

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